Der Brent-Rohölpreis ist erstmals seit Beginn des Iran-Kriegs unter sein Vorkriegsniveau gefallen. Am Donnerstag wurde ein Barrel – 159 Liter – zeitweise für 72,24 US-Dollar gehandelt. Im März hatte der Preis noch bei über 120 Dollar gelegen.
Ausgelöst hat den Rückgang die schrittweise Wiedereröffnung der Straße von Hormus, einer zentralen Schifffahrtsroute zwischen Persischem Golf und Arabischem Meer. Nach einem Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran durchquerten zwischen dem 19. und 22. Juni 131 Schiffe die Meerenge – so viele wie seit Kriegsbeginn nicht mehr. Dekabank-Experten verweisen zudem auf iranische Ölreserven, die bei dauerhafter Sanktionslockerung zusätzliches Angebot schaffen könnten.
Doch Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen warnt: Der Preisrückgang sei „zum Teil schon übertrieben". Unklar bleibe, wie schnell sich Schiffsverkehr und Produktion wirklich normalisieren. Gleichzeitig müssen laut Internationaler Energieagentur (IEA) weltweit geleerte Öllager wieder aufgefüllt werden – allein in den OECD-Staaten wurden 163 Millionen Barrel entnommen. Das könnte die Nachfrage und damit den Preis wieder treiben.
Ölpreis fällt auf Vorkriegsniveau – doch Experten warnen vor Euphorie
Warum das wichtig ist
An der Zapfsäule kostet Diesel laut ADAC aktuell rund 1,73 Euro pro Liter – allerdings läuft der staatliche Tankrabatt von 16,7 Cent je Liter Ende des Monats aus, was die Preise wieder steigen lassen dürfte.