In Deutschland beziehen aktuell 771.275 Rentnerinnen und Rentner Sozialhilfe. Das zeigen Daten des Statistischen Bundesamts, die das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) abgefragt hat. Gegenüber dem Vorjahr sind das knapp 30.000 mehr – verglichen mit vor vier Jahren sogar rund 180.000 mehr. Frauen sind dabei deutlich häufiger betroffen als Männer.

Gleichzeitig plant die Bundesregierung tiefgreifende Rentenreformen. Die Alterssicherungskommission empfiehlt, die sogenannte „Rente mit 63" abzuschaffen – also die Möglichkeit, nach 45 Beitragsjahren ohne Abzüge früher in Rente zu gehen. Außerdem soll das Renteneintrittsalter ab Jahrgang 1965 schrittweise an die Lebenserwartung gekoppelt werden: Steigt sie um ein Jahr, sollen Beschäftigte acht Monate länger arbeiten. Nach heutigen Prognosen wäre eine Regelaltersgrenze von 69 Jahren erst um 2071 erreicht.

Besonders in Ostdeutschland, wo private oder betriebliche Altersvorsorge seltener verbreitet ist, könnten die Reformen stark wirken. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zusammen beziehen bereits über 42.000 Rentner Sozialhilfe – jeweils mehrere Hundert bis über tausend mehr als im Vorjahr.