Mindestens zwölf gesetzliche Krankenkassen haben insgesamt 1,1 Milliarden Euro in riskante Immobilienfonds investiert und dabei massive Verluste eingefahren. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor. Weitere Einbußen drohen.
Politiker mehrerer Parteien reagieren scharf. SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese vergleicht das Verhalten der Kassenverantwortlichen mit dem von Hedgefonds-Managern – eine Wette auf Kosten der Versicherten. Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Paula Piechotta sieht ein strukturelles Problem: Kontrollmechanismen greifen oft erst, wenn Schäden bereits entstanden sind. Die Stiftung Patientenschutz fordert einen vollständigen Kassensturz und Aufklärung darüber, warum staatliche Aufsicht versagt hat.
Gleichzeitig trifft Versicherte eine weitere Neuerung: Im Rahmen des Sparpakets der schwarz-roten Koalition entfällt die Pflicht der Kassen, Mitglieder aktiv über steigende Zusatzbeiträge zu informieren. Verbraucherschützerin Ramona Pop nennt das ein »Unding«. Der Zusatzbeitrag variiert derzeit zwischen 2,18 und 4,39 Prozent – wer eine Erhöhung verpasst, verliert möglicherweise sein Sonderkündigungsrecht.
Krankenkassen verzocken 1,1 Milliarden Euro – und müssen es nicht mal melden
Warum das wichtig ist
76 Prozent der Versicherten wissen laut einer Umfrage nicht, dass sie Beitragserhöhungen künftig selbst im Blick behalten müssen – wer es zu spät bemerkt, kann die Kasse nicht mehr ohne Wartefrist wechseln.