Kevin Warsh hat bei seinem ersten Auftritt als Fed-Chef beim jährlichen Notenbanker-Treffen in Jackson Hole, Wyoming, keine konkreten Hinweise auf die nächste Zinsentscheidung gegeben – aber eine klare Richtung angedeutet. Der Chef der US-Notenbank Federal Reserve signalisierte Bereitschaft zu einer strafferen Geldpolitik und nannte die aktuelle Inflationsrate von 3,4 Prozent ausdrücklich „zu hoch". Das Zwei-Prozent-Ziel der Fed bezeichnete er als „festen, unverrückbaren Wert".

Gleichzeitig verabschiedete sich Warsh von der sogenannten Forward Guidance – der seit der Finanzkrise 2008 üblichen Praxis, Märkte vorab über den künftigen Zinskurs zu informieren. „Zu viel Transparenz kann Märkte, Unternehmen und Haushalte in die Irre führen", sagte er. Investoren sollen sich künftig stärker an Wirtschaftsdaten orientieren statt an Notenbankaussagen. Die nächste Fed-Sitzung findet am 16. September statt; fast 60 Prozent der Beobachter an der Terminbörse CME rechnen bereits mit einem Zinsschritt.

Der DAX reagierte auf die Rede mit einem neuen Allzeithoch von 26.618 Punkten – Anleger gewichteten Warshs positive Konjunkturbotschaft offenbar stärker als die Inflationswarnung.