Kurz vor dem heutigen Zinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve herrscht ungewöhnliche Unsicherheit: Die Finanzmärkte preisen eine rund 30-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung ein – so kurz vor einer Fed-Sitzung ist das äußerst selten.

Hauptgrund für die Nervosität ist Fed-Chef Kevin Warsh, der seit seinem Amtsantritt Mitte Mai auf sogenannte Forward Guidance verzichtet – also auf gezielte Hinweise, wohin sich der Leitzins entwickeln soll. Gleichzeitig steigt der Inflationsdruck: Der Iran-Krieg hat die Energiepreise getrieben. Im Juni lag die US-Inflationsrate bei 3,5 Prozent, nach 4,2 Prozent im Mai. Warsh betont zwar, Preisstabilität habe oberste Priorität, hat aber bislang nicht gehandelt. Kritiker erinnern daran, dass die Fed 2021 zu lange zögerte – damals kletterte die Inflation bis Juni 2022 auf 9,1 Prozent, den höchsten Stand seit 40 Jahren.

Der aktuelle Leitzins liegt in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent. Die meisten Ökonomen erwarten, dass er heute unverändert bleibt – sicher ist das aber nicht.