Mehr als 15 Millionen Tarifbeschäftigte in Deutschland dürften in diesem Jahr real mehr Geld in der Tasche haben. Laut einer Hochrechnung des WSI-Tarifarchivs der Hans-Böckler-Stiftung steigen die Tariflöhne nominal um durchschnittlich 3,1 Prozent. Die Verbraucherpreise legten im ersten Halbjahr dagegen nur um 2,4 Prozent zu – deshalb bleibt nach Abzug der Inflation ein realer Lohnzuwachs von 0,7 Prozent.

Allerdings trübt sich das Bild zum Jahresende hin ein. Im Juli kletterte die Teuerungsrate bereits auf 2,8 Prozent, weil steigende Energiepreise nach dem Auslaufen des Tankrabatts wieder voll durchschlugen. WSI-Tarifarchiv-Leiter Thorsten Schulten warnt deshalb: Ob die Kaufkraft am Jahresende tatsächlich gesichert ist, hängt von noch laufenden Tarifrunden ab – etwa im Einzelhandel und in der Metall- und Elektroindustrie, wo Verhandlungen erst im Herbst beginnen. Zudem sind die Reallohnverluste der Krisenjahre 2021 bis 2023 bislang nicht vollständig ausgeglichen.