Die geplante Einkommensteuerreform gleicht die kalte Progression – also heimliche Steuererhöhungen durch Inflation – kaum aus. Das kostet Steuerzahler in den kommenden zwei Jahren bis zu 500 Euro pro Jahr, wie Berechnungen zeigen.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant bislang vor allem Maßnahmen, die verfassungsrechtlich ohnehin vorgeschrieben sind: Der Grundfreibetrag steigt in zwei Schritten auf 12.900 Euro, das Kindergeld klettert auf 3.264 Euro jährlich. Zusätzlich soll die Grenze zum Spitzensteuersatz von derzeit 69.878 Euro auf 70.600 Euro ab 2027 steigen. Eine umfassende Anpassung der Steuertarife an die Inflation – laut Institut der Deutschen Wirtschaft rund 2,2 Prozent jährlich für 2026 und 2027 – ist dagegen nicht vorgesehen.

Das Prinzip der kalten Progression: Wer eine inflationsausgleichende Gehaltserhöhung erhält, verdient nominal mehr, kann sich real aber nicht mehr leisten. Trotzdem steigt die Steuerlast überproportional. Frühere Bundesfinanzminister – darunter Christian Lindner und Olaf Scholz – hatten diesen Effekt jeweils ausgeglichen.