Die Soziologin Jutta Allmendinger kritisiert, dass die Koalitionsreformen bei Rente, Gesundheit, Pflege und Steuern die Folgen für Frauen systematisch ausblenden. Ihr Kernvorwurf: „Aufgewertet wird die Erwerbsarbeit, entwertet wird die unbezahlte Sorgearbeit."
Konkret nennt sie drei Baustellen. Erstens die geplante Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse – grundsätzlich sinnvoll, aber ohne parallelen Kita- und Ganztagsschulausbau schädlich für Frauen. Zweitens die neue Kapitalrente, bei der Rentenbeiträge um bis zu zwei Prozentpunkte steigen sollen: Wer wegen Kindererziehung zu Hause bleibt, bekommt im bisherigen System Rentenpunkte gutgeschrieben – ein vergleichbarer Ausgleich im kapitalgedeckten Teil ist bislang nicht vorgesehen. Drittens warnt Allmendinger, dass eine Abschaffung der Minijobs ohne Betreuungsangebote Frauen in die Schwarzarbeit treiben könnte. Beim Ehegattensplitting – einem Steuermodell, das Ehepaare gemeinsam veranlagt – fordert sie ebenfalls ein Ende. Die Union lehnt das ab.
Soziologin Allmendinger: Koalitionsreformen benachteiligen Frauen
Warum das wichtig ist
Frauen, die Kinder erziehen oder in Teilzeit arbeiten, könnten durch mehrere Reformen gleichzeitig schlechtergestellt werden – ohne dass die Koalition bislang Ausgleichsmaßnahmen plant.