Oliver Blatt, Chef des GKV-Spitzenverbands – der Interessenvertretung der gesetzlichen Krankenkassen –, verlangt eine grundlegende Änderung bei der Arztterminvergabe. Künftig soll der medizinische Bedarf entscheiden, wer wann einen Termin bekommt, nicht die Art der Versicherung. Das sagte Blatt gegenüber den Funke Medien.

Hintergrund: 75 Millionen Menschen sind gesetzlich versichert und finanzieren damit den größten Teil der ärztlichen Honorare. Trotzdem warten sie bei Terminen häufig länger als Privatpatienten. Blatt nennt das eine „himmelschreiende Ungerechtigkeit". Als Lösung schlägt der GKV-Spitzenverband eine tagesaktuelle Online-Plattform vor, in die alle Praxen einen festen Anteil ihrer Termine einstellen müssen – ohne dass dabei nach dem Versicherungsstatus gefragt werden darf. Ärzte sollen Privatpatienten weiterhin behandeln dürfen, sie aber nicht automatisch vorziehen.

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte das Thema vor rund einem Monat ebenfalls als „Gerechtigkeitsproblem" bezeichnet. Parallel dazu sprach sich Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, für eine Abschaffung sowohl der gesetzlichen als auch der privaten Krankenversicherung zugunsten eines neuen Mischmodells aus.