Der Iran-Krieg treibt die europäischen Energiepreise auf den höchsten Stand seit Jahren und stellt Notenbanken sowie Finanzmärkte vor schwierige Entscheidungen.

Der europäische Gaspreis (Referenzkontrakt TTF) überstieg erstmals seit 2022 die Marke von 100 Euro pro Megawattstunde. Vor Kriegsbeginn Ende Februar lag er noch unter 32 Euro – eine Verdreifachung in wenigen Monaten. Brent-Rohöl notierte zuletzt über 112 Dollar pro Barrel.

Niedrige Gasspeicher verschärfen die Lage: Europas Speicher sind laut der Plattform Agsi zu knapp 75 Prozent gefüllt, ein Jahr zuvor waren es 83 Prozent. Deutschland steht mit 61,6 Prozent besonders schlecht da. Analysten rechnen damit, dass die Preise mindestens ein weiteres Jahr erhöht bleiben.

Die Energiepreisinflation im Euroraum erreichte im September 18 Prozent – der höchste Wert seit Beginn des Iran-Kriegs. Die EZB erwartet dadurch mindestens 1,1 Prozentpunkte zusätzliche jährliche Inflation gegenüber ihrer Dezemberprognose.

Gleichzeitig gerät Frankreich unter Druck: Die Renditen zehnjähriger französischer Staatsanleihen stiegen auf 5,1 Prozent, den höchsten Stand seit 24 Jahren. Der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Anleihen kletterte auf 175 Basispunkte – ein Wert zuletzt gesehen 2011. Die EZB dürfte ihren Einlagenzins vorerst bei 2,5 Prozent belassen.

Am deutschen Aktienmarkt schloss der DAX trotz der Unsicherheiten mit einem Plus von 0,44 Prozent bei 25.704 Punkten.