Wegen des historisch niedrigen Wasserstands der Donau fährt Ungarn sein einziges Atomkraftwerk Paks vollständig herunter – zum ersten Mal seit 44 Jahren. Der letzte der vier Reaktorblöcke wurde in der Nacht zum Sonntag abgeschaltet. Das AKW liegt rund 100 Kilometer südlich von Budapest und kühlt seine Reaktoren mit Donauwasser. An manchen Abschnitten des Flusses beträgt der Pegel derzeit nur ein Drittel des üblichen Juli-Durchschnitts.

Der Ausfall trifft Ungarn zu einem ungünstigen Zeitpunkt: 2.000 Megawatt Produktionsleistung fallen weg, während die Hitze den Stromverbrauch gleichzeitig in die Höhe treibt. An einem normalen Sommerabend liegt der Verbrauch bei 6.000 Megawatt – durch die Hitzewelle steigt er um 20 Prozent. Ministerpräsident Peter Magyar ordnete an, dass Großverbraucher aus der Industrie notfalls vom Netz getrennt werden können. Autobauer wie Mercedes und Suzuki kündigten bereits Sparmaßnahmen an.

Die Bevölkerung soll in der Spitzenlastzeit zwischen 17 und 22 Uhr auf Klimaanlagen und das Laden von Elektroautos verzichten. Ungarn greift nun auf nationale Stromreserven zurück und organisiert Importe.