Die Spritpreise in Deutschland haben ein neues Rekordhoch erreicht: Ein Liter Superbenzin E10 kostete am Sonntag im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,27 Euro, Diesel lag bei 2,40 Euro – nur 4,3 Cent unter seinem April-Rekord.

Haupttreiber ist die Lage im Nahen Osten. Saudi-Arabien musste seine Ost-West-Pipeline nach Drohnenangriffen durch proiranische Milizen abschalten. Die Pipeline transportiert bis zu sieben Prozent der weltweiten Ölmenge. Satellitenbilder zeigen, dass drei von fünf Pumpstationen zerstört sind; Aramco baut mit über 100 Baufahrzeugen ein Provisorium. Der Rohölpreis der Sorte Brent stieg daraufhin um mehr als vier Prozent auf knapp 110 US-Dollar je Barrel.

Zusätzlich drücken hohe Raffineriemargen auf den Dieselpreis: Die europäische Diesel-Raffineriemarge erreichte 91 US-Dollar je Barrel, was rund 50 Cent pro Liter entspricht. Der ADAC kritisiert, dass der aktuelle Ölpreis das Preisniveau an den Zapfsäulen nur teilweise rechtfertige.

ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski hält Dieselpreise von drei Euro je Liter für möglich, sollte Öl dauerhaft über 110 Dollar bleiben – eine Tankfüllung würde dann 150 Euro kosten.

Politisch gehen die Reaktionen auseinander: CSU-Chef Söder fordert staatliche Rückerstattungen nach österreichischem Vorbild, Wirtschaftsministerin Reiche (CDU) plädiert für gezielte App-basierte Direktzahlungen an Pendler, die SPD verlangt einen Preisdeckel und eine Übergewinnsteuer.