Die Wirtschaftsauskunftei Schufa speichert veraltete Finanzdaten von Millionen Verbrauchern in einer zweiten, bisher kaum bekannten Datenbank – das zeigen gemeinsame Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung. Die Datensätze sind bis zu zehn Jahre alt und betreffen laut Schufa nahezu jeden Konsumenten, zu dem jemals eine Auskunft eingeholt wurde. Eine Größenordnung von 68 Millionen Menschen nannte ein Schufa-Sprecher realistisch.
Gespeichert sind darin unter anderem alte Kredite, Kreditkarten, Pfändungen und Privatinsolvenzen – Informationen, die Betroffene längst als gelöscht glaubten. Die Schufa nutzt diese Daten, um ihren neuen Score zu testen, und gibt Testergebnisse an Unternehmenskunden weiter – darunter Banken, Telekommunikationsanbieter und Energieversorger. Das Unternehmen hält dieses Vorgehen für rechtlich zulässig. Datenschutzrechtlerin Ruth Janal von der Universität Bayreuth widerspricht: Historische Scores gäben Einblick in vergangene Finanzsituationen, was Vertragspartner der Schufa nichts angehe. Der Hessische Landesdatenschutzbeauftragte prüft derzeit, ob die Schufa Verbraucher über die Speicherung informieren muss.
Schufa betreibt geheime Zweitdatenbank mit Daten von 68 Millionen Menschen
Warum das wichtig ist
Wer jemals einen Kredit, Handyvertrag oder eine Wohnung beantragt hat, könnte in der Zweitdatenbank erfasst sein – ohne es zu wissen und ohne Möglichkeit, dagegen vorzugehen.