Am 22. Juli erteilte das niedersächsische Umweltministerium der Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF) die Erlaubnis, in ihrer Brennelementefabrik in Lingen auch sogenannte hexagonale Brennelemente herzustellen – sechseckige Brennstäbe, die speziell für Reaktoren sowjetischer Bauart entwickelt wurden. Technologie, Maschinen und Lizenzen dafür stammen von TVEL, einer Tochter des russischen Staatsatomkonzerns Rosatom.

ANF gehört zum französischen Unternehmen Framatome, das wiederum vollständig zum staatlichen Energiekonzern EDF zählt. Die Fabrik in Lingen produziert seit 1979 Brennelemente; nach dem deutschen Atomausstieg brachen die inländischen Kunden weg, die Auslastung sank zeitweise auf 23 Prozent. Deshalb suchte Framatome neue Abnehmer in Osteuropa und Finnland – Länder mit alten Sowjetreaktoren, die bislang direkt bei Russland kaufen.

Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer von den Grünen bezeichnete die russische Beteiligung als „grundfalsch" und verwies auf Risiken durch Sabotage und Spionage. Da das Atomrecht jedoch Bundessache ist, konnte das Land die Genehmigung nicht verhindern. Die EU-Sanktionen gegen Russland klammern die Atomindustrie bislang aus.