Knapp jeder fünfte Mensch ab 65 Jahren gilt in Deutschland als armutsgefährdet – dabei sitzen viele Rentner auf erheblichem Vermögen, das sie kaum anrühren. Bei den 55- bis 64-Jährigen lag das Nettovermögen 2023 im Median bei rund 241.000 Euro, zeigen Daten des Instituts der Deutschen Wirtschaft auf Basis von Bundesbank-Zahlen.

Wer im Ruhestand Ersparnisse aufbrauchen will, orientiert sich häufig an der Vier-Prozent-Regel: Im ersten Rentenjahr vier Prozent des Vermögens entnehmen, danach den Betrag jährlich mit der Inflation anpassen. Die Regel geht auf den US-Finanzberater William Bengen zurück, der 1994 anhand von Börsendaten ab 1926 berechnete, dass das Geld damit selbst in schlechten Börsenphasen 30 Jahre reicht.

Doch die Regel macht viele Rentner womöglich zu vorsichtig. Der Ruhestandsplaner Retire Capital rechnete mit 300.000 Euro Startkapital und historischen Kapitalmarktdaten aus 75 Jahren: Nach 35 Jahren blieben im Durchschnitt noch 1,1 Millionen Euro übrig – nominal, also ohne Inflationsbereinigung. CEO Markus Weis nennt das Kapital, das Rentner „eigentlich hätten verleben können".