Zwei aktuelle Reformdebatten zeigen, wie stark staatliche Entscheidungen die Haushaltskassen von Millionen Menschen belasten können – bei der Rente und beim Rauchen.
Rentenökonom Dr. Robert M. Rühl von der Universität Bayreuth fordert einen radikalen Umbau des Rentensystems: Statt wie bisher die Renten an die Lohnentwicklung zu koppeln, sollen sie künftig nur noch die Inflation ausgleichen. Steigen die Löhne schneller als die Preise, würden Rentner relativ schlechter gestellt – Beitragszahler hingegen massiv entlastet.
Rühl beziffert das jährliche Einsparpotenzial dieser Maßnahme inklusive Wegfall der Haltelinie auf rund 23 Milliarden Euro bis Mitte der 2030er-Jahre. Zusätzlich plädiert er für die Abschaffung der Rente mit 63 – der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren – was weitere rund 10 Milliarden Euro jährlich einsparen würde. Die Streichung der Mütterrente III würde laut Rühl nochmals 5 Milliarden Euro pro Jahr freisetzen.
Parallel dazu beschloss der Finanzausschuss des Bundestags eine stufenweise Tabaksteuererhöhung. Eine 20er-Packung Zigaretten, die im Sommer 2024 durchschnittlich 8,05 Euro kostete, soll 2027 auf 9,10 Euro steigen und bis 2030 auf 11,78 Euro klettern – Markenzigaretten könnten sogar bis zu 14 Euro kosten.
Auch Feinschnitt (Drehtabak) verteuert sich: Eine 30-Gramm-Packung soll von aktuell 6–8 Euro auf über 12 Euro im Jahr 2030 steigen. Die Bundesregierung begründet die Tabaksteuerreform mit Haushaltskonsolidierung und Gesundheitsschutz; 2027 erwartet der Fiskus Mehreinnahmen von 1,5 Milliarden Euro.
Rentensystem und Tabaksteuer: Zwei Reformvorhaben erhöhen Kosten
Warum das wichtig ist
Ob Rentner, Beitragszahler oder Raucher – beide Reformvorhaben treffen breite Bevölkerungsgruppen direkt im Geldbeutel.