Die Rentenkommission empfiehlt längere Lebensarbeitszeiten – doch in der Praxis stoßen Unternehmen damit auf ein handfestes Problem. Laut Gesundheitsexperte Martin Lange sind viele Beschäftigte in körperlich anspruchsvollen Berufen mit 60 Jahren bereits erschöpft: Schichtarbeit, Rückenprobleme und Schlafstörungen treiben die Arbeitsunfähigkeitsquoten in der Industrie auf acht bis neun Prozent. Dazu kommt: Laut GEDA-Daten des Robert Koch-Instituts hat im Schnitt jeder zweite Deutsche über 45 eine chronische Erkrankung.
Ein späterer Renteneintritt verlängert deshalb vor allem die Belastungsphase jener, die ohnehin am häufigsten fehlen. Lange erwartet infolgedessen mehr Anträge auf Erwerbsminderungsrente – also vorzeitige Rente wegen dauerhafter Arbeitsunfähigkeit. Gleichzeitig kritisiert der Freiburger Ökonom Bernd Raffelhüschen die Reformpläne grundsätzlich: Die demografische Last werde einseitig auf junge Beitragszahler abgewälzt, während die Babyboomer-Generation kaum belastet werde. Auf einer Skala von eins bis zehn bewertet er die Generationengerechtigkeit der Vorschläge mit null.
Für Unternehmen bedeutet das: Sie müssen Aufgaben stärker an die tatsächliche Leistungsfähigkeit älterer Mitarbeiter anpassen – was in kleinen Handwerksbetrieben kaum umsetzbar ist.
Rentenreform 2026: Längeres Arbeiten belastet Betriebe und Beschäftigte
Warum das wichtig ist
Wer heute 45 ist, gehört statistisch zur Hälfte bereits zur Gruppe der chronisch Erkrankten – und soll künftig möglicherweise bis 67 oder länger arbeiten.