Die Rentenkommission der Bundesregierung plant die Abschaffung der „Rente mit 63", doch politischer Widerstand bremst die Reform – mit erheblichen finanziellen und arbeitsmarktpolitischen Konsequenzen.

Seit Einführung 2014 haben 3,4 Millionen Menschen die abschlagsfreie Frühverrentung genutzt, jährlich sind es 250.000 bis 280.000 Personen – fast jeder dritte Neurentner. Das Modell erlaubt Versicherten mit 45 Beitragsjahren den vorzeitigen Ruhestand ohne Rentenabzüge.

Wer tatsächlich profitiert, überrascht: Laut Kommissionsbericht sind es überproportional Männer, Besserverdienende und Gesundheitlich-Stärkere – nicht die ursprünglich anvisierten Härtefälle. Zudem erfüllen weniger als 60 Prozent der Berechtigten die 45 Jahre allein durch Erwerbsarbeit; Erziehungs-, Pflege- und Arbeitslosigkeitszeiten zählen mit.

Das Einsparpotenzial ist erheblich: Allein beim Geburtsjahrgang 1957 würde die Rentenversicherung laut einer DIW-Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung rund 10,4 Milliarden Euro sparen, der Staat insgesamt 9,5 Milliarden Euro.

Ökonom Axel Börsch-Supan vom Max-Planck-Institut mahnt: Wer früher in Rente geht, lässt andere dafür aufkommen – längere Arbeitende subventionieren kürzere. Wirtschaftsweiser Martin Werding beziffert das Reformpotenzial auf „ein- bis knapp zweistellige Milliardenbeträge".

Hinzu kommt der Fachkräftemangel: Derzeit verlassen jährlich rund 400.000 Menschen mehr den Arbeitsmarkt, als nachrücken.