Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Russland-Geschäfte des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé per Dekret unter Zwangsverwaltung gestellt. Die Anteile gehen an die russische Gesellschaft L.E.V. Management – ein Ende 2025 gegründetes Unternehmen mit einem einzigen Mitarbeiter und bislang keiner nachweisbaren Geschäftstätigkeit. Geleitet wird es laut der unabhängigen Zeitung „Nowaja Gaseta Europa" von Andrej Krajuschkin, der dem russischen Innenministerium untersteht.
Nestlé hatte sein Russland-Geschäft nach Beginn des Ukraine-Kriegs nicht aufgegeben und dies mit der Lieferung lebenswichtiger Güter begründet. Der Konzern betreibt dort sechs Fabriken, produziert Kaffee, Tiernahrung und Säuglingsnahrung und beschäftigte zuletzt rund 7.000 Mitarbeiter. Das Russland-Geschäft macht etwa zwei Prozent des Konzernumsatzes aus; Analysten schätzen seinen Wert auf bis zu 1,7 Milliarden Franken. Nestlé erklärte, die Situation zu prüfen und seine Rechte schützen zu wollen.
Das Vorgehen folgt einem Muster: Seit 2023 erlaubt ein Kreml-Dekret, Vermögenswerte aus als „unfreundlich" eingestuften Ländern unter staatliche Kontrolle zu stellen. Danone und Carlsberg traf es bereits – beide verkauften ihr Russland-Geschäft danach.
Putin stellt Nestlé per Dekret unter russische Zwangsverwaltung
Warum das wichtig ist
Nestlé-Produkte wie Nespresso, KitKat oder Purina-Tiernahrung könnten durch den Eigentümerwechsel langfristig vom russischen Markt verschwinden – für Nestlé-Aktionäre steht ein Geschäftswert von bis zu 1,7 Milliarden Franken auf dem Spiel.