Seit einigen Wochen rollt nachts ein ungewöhnliches Fahrzeug durch Edermünde in Nordhessen: ein vollelektrischer Lkw ohne Fahrerkabine, der vollständig autonom zwischen einem Lidl-Logistikzentrum und einer nahegelegenen Filiale pendelt. Die Strecke ist kurz – rund 400 bis 500 Meter –, doch die Bedeutung ist groß.

Das Kraftfahrtbundesamt erteilte erstmals eine Zulassung für einen kabinenlosen, autonom fahrenden Lkw im öffentlichen Straßenverkehr. Das Fahrzeug des schwedischen Herstellers Einride fährt mit 15 bis 25 km/h und kann bis zu 15 Europaletten transportieren – etwa die Hälfte eines Standard-Sattelzugs. Es handelt sich um ein sogenanntes Level-4-Fahrzeug, das alle Fahraufgaben auf einer festgelegten Strecke selbstständig übernimmt. Derzeit begleitet ein Mitarbeiter mit Fernsteuerung den Lkw als Sicherheitsmaßnahme. Der Testbetrieb läuft vier Monate. Lidl arbeitet bereits seit 2017 mit Einride zusammen und stellte das Projekt zeitgleich mit der Fachmesse IAA Transportation in Hannover vor.

Experten betonen: Die eigentliche Neuigkeit ist nicht die Technik, sondern die behördliche Genehmigung für den öffentlichen Verkehr.