Finanzminister Lars Klingbeil hat seinen Entwurf zur Einkommensteuerreform im Bundestag verteidigt – trotz breiter Kritik aus Opposition und Koalition. Die Reform sieht eine Bruttoentlastung von zehn Milliarden Euro für 2027 und 2028 vor. Profitieren sollen vor allem Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen: Pflegekräfte, Polizistinnen, Erzieher. Konkret steigen der Grundfreibetrag – also der Betrag, bis zu dem gar keine Steuern fällig werden – sowie Kinderfreibetrag und Kindergeld.
Dennoch ist der Widerstand groß. Die Union knüpft ihre Zustimmung an weitere Reformen und fordert, die Kalte Progression auszugleichen. Dieser Effekt tritt auf, wenn Lohnerhöhungen zur Inflationskompensation den Steuersatz trotzdem steigen lassen – und die Kaufkraft damit sinkt. Klingbeil plant diesen Ausgleich nicht, weil das Geld fehlt. Grüne und Linke kritisieren die Reform als sozial unausgewogen: Die steuerlichen Vorteile aus Kinderfreibeträgen kämen Spitzenverdienern überproportional zugute.
Klingbeil selbst räumte ein, er hätte sich „persönlich mehr vorstellen können" – und zeigte sich offen für Nachbesserungen, falls haushaltliche Spielräume entstehen.
Klingbeils Steuerreform passiert erste Lesung – mit Gegenwind
Warum das wichtig ist
Eine Familie mit zwei mittleren Einkommen und zwei Kindern hätte laut Klingbeil ab 2028 rund 600 Euro mehr pro Jahr zur Verfügung.