Wer gesetzlich versichert ist, wartet in Deutschland deutlich länger auf einen Facharzttermin als Privatpatienten – das belegen zwei unabhängige Untersuchungen. Eine Berliner Studie der Gesundheitsökonomin Cordula Kreuzenbeck verglich simulierte Versicherungsprofile in denselben Praxen: Kassenpatienten warteten im Schnitt 72,1 Tage, Privatversicherte 26,3 Tage – ein Unterschied von 45,8 Tagen. Das Muster zeigte sich fachübergreifend, von der Gynäkologie bis zur Orthopädie.
Eine zweite Erhebung, die knapp 26.000 Ärztinnen und Ärzte aus neun Fachrichtungen auswertete, kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Dort warteten gesetzlich Versicherte durchschnittlich 49,1 Tage, Privatversicherte 29,7 Tage. Besonders auffällig: Bei 56,5 Prozent der untersuchten Praxen war online gar kein Termin für Kassenpatienten sichtbar. Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Debatte zuletzt öffentlich aufgegriffen. Das Kanzleramt stellte jedoch klar, dass er damit keine Abschaffung des dualen Systems angekündigt habe.
Beide Quellen betonen: Selbst eine einheitliche Versicherungskarte für alle würde keine zusätzlichen Ärzte schaffen. Die eigentliche Frage lautet deshalb, wie die Gesamtversorgung verbessert werden kann.
Kassenpatienten warten doppelt so lang auf Facharzttermine
Warum das wichtig ist
Wer gesetzlich versichert ist, wartet laut den Daten im Schnitt fast sieben Wochen länger auf einen Facharzttermin – das entspricht einem Unterschied von bis zu 45,8 Tagen je nach Fachrichtung.