Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen ist auf knapp 4,9 Prozent gestiegen – ein Niveau, das zuletzt während der globalen Finanzkrise erreicht wurde und damit sogar über den Höchstständen der Euro-Schuldenkrise liegt. Gleichzeitig zahlt Frankreich inzwischen höhere Zinsen als Italien und Griechenland. Das ist bemerkenswert, weil Frankreichs Wirtschaft mit Abstand größer ist.
Der sogenannte Spread – also der Risikoaufschlag, den Anleger für französische Staatsanleihen gegenüber als sicher geltenden deutschen Bundesanleihen verlangen – steigt steil an. Hintergrund ist das wachsende Misstrauen gegenüber Frankreichs Staatsfinanzen: Die Gesamtverschuldung liegt bereits bei knapp 119 Prozent der Wirtschaftsleistung, politischer Stillstand blockiert Reformen. Auch Spanien gerät unter Druck – dort schossen die Aufschläge gegenüber Bundesanleihen in gut zwei Wochen um fast 35 Prozent nach oben.
Die EZB verfügt seit der letzten Krise über ein Instrument namens TPI, das ihr erlaubt, praktisch unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen. Es greift jedoch nur bei Marktverwerfungen ohne fundamentale Ursache – in Frankreich liegt die Ursache aber klar im politischen Stillstand.
Frankreichs Staatsanleihen kosten mehr als Italiens – Europa beobachtet
Warum das wichtig ist
Steigende Staatsschuldzinsen in Frankreich können die Stabilität des Euro unter Druck setzen – und damit Kreditzinsen und Spareinlagen in ganz Europa beeinflussen.