Beim EZB-Forum im portugiesischen Sintra hat Kevin Warsh, der neue Chef der US-Notenbank Fed, seinen geldpolitischen Kurswechsel konkretisiert. Kernbotschaft: Die Fed gibt künftig keine „Forward Guidance" mehr – also keine öffentlichen Hinweise darauf, wohin sich Zinsen und Inflation entwickeln könnten.

Warsh begründet das mit mehr Handlungsspielraum. Wörtlich sagte er, die Fed solle intern „einen guten Familienstreit" führen, statt Erwartungen nach außen zu steuern. EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte zwar ebenfalls, keine solchen Signale zu geben – doch in der Diskussion wurde deutlich, dass beide Notenbanken den Begriff unterschiedlich auslegen. Lagarde deutete an, dass sich die Inflations- und Wachstumsrisiken im Euroraum zuletzt wieder ausbalanciert hätten.

Die Zinsniveaus beider Notenbanken liegen weit auseinander: Die Fed hält den Leitzins bei 3,5 bis 3,75 Prozent, die EZB hatte ihn im Juni auf 2,25 Prozent angehoben. Die US-Inflation stieg im Mai durch den Iran-Krieg auf über vier Prozent – das Zwei-Prozent-Ziel der Fed ist damit weiter entfernt denn je.