Beim jährlichen EZB-Forum im portugiesischen Sintra haben führende Notenbanker klargemacht: Die Inflation im Euroraum ist noch nicht unter Kontrolle. Bundesbankchef Joachim Nagel erwartet, dass die Teuerungsrate deutlich über dem EZB-Ziel von 2,0 Prozent verharren wird. Der Energiepreisschock infolge des Nahostkonflikts sei „noch im System", sagte er dem Sender CNBC.
Gleichzeitig zeigt sich die Lage widersprüchlich. Der Ölpreis ist von zeitweise 120 Dollar je Barrel – ein Fass mit 159 Litern – auf rund 73 Dollar gefallen. Dennoch schwankt die Inflation im Euroraum laut Commerzbank-Prognose in den verbleibenden Monaten des Jahres um die 3,0 Prozent. In Spanien lag sie im Juni bei 3,6 Prozent, in Deutschland sank sie zuletzt auf 2,3 Prozent.
Ob die EZB die Zinsen erneut anhebt, lässt Nagel offen. Er wolle alle Optionen behalten und auf klarere Daten warten. Die nächste Zinssitzung findet im Juli statt, im September folgen aktualisierte EZB-Prognosen.
EZB-Notenbanker warnen: Inflation bleibt hartnäckig über 2-Prozent-Ziel
Warum das wichtig ist
Bleibt die Inflation über 3 Prozent, bleiben auch Kredite und Finanzierungen teuer – wer etwa einen Immobilienkredit plant, sollte mit weiterhin hohen Zinsen rechnen.