Die Europäische Zentralbank (EZB) hat der italienischen Großbank Unicredit grünes Licht gegeben, ihren Anteil an der Commerzbank über die Schwelle von 30 Prozent hinaus und ohne weitere Obergrenze zu erhöhen – ein entscheidender regulatorischer Schritt im laufenden Übernahmepoker.
Unicredit bezeichnete die EZB-Genehmigung als „wichtigen Meilenstein". Die Notenbank, die als Aufsichtsbehörde über europäische Großbanken fungiert, hatte grenzüberschreitende Bankenfusionen bereits mehrfach als Instrument zur Stärkung des EU-Binnenmarkts befürwortet – intern aber auch vor einem „herausfordernden und langwierigen" Integrationsprozess gewarnt.
Unicredit hält bereits rund 49 Prozent der Commerzbank-Anteile, gesichert über komplexe Derivate-Konstruktionen. Mit den noch ausstehenden Genehmigungen – unter anderem von Kartellbehörden – rechnet das Institut bis Jahresende; dann könnte es rund 50 Prozent der Stimmrechte kontrollieren.
Die EU-Kommission hat eine Entscheidung bis Mitte November angekündigt, was Beobachter als Formsache werten. Der Bund hält 13,3 Prozent an der Commerzbank; Bundesfinanzminister Lars Klingbeil plant laut Berichten bald einen Personalvorschlag für die EZB-Spitze.
Die Deutsche Bank sieht in der Übernahme eine Wachstumschance: Vorstandsmitglied Alexander von zur Mühlen erklärte, beim Wegfall eines Wettbewerbers steige das eigene Wachstumspotenzial – sowohl in Deutschland als auch im Auslandsgeschäft.
EZB ebnet Unicredit den Weg zur Commerzbank-Übernahme
Warum das wichtig ist
Die mögliche Übernahme der Commerzbank durch Unicredit könnte das Angebot für Mittelstandskunden im Auslandsgeschäft verringern und den deutschen Bankenmarkt dauerhaft umgestalten.