Die politische Schuldenkrise in Frankreich zieht immer mehr Euro-Länder in Mitleidenschaft. Von Italien bis Spanien verlangen verunsicherte Investoren höhere Risikoprämien als noch vor zwei Wochen – das drückt die Kurse von Staatsanleihen und treibt deren Renditen. Nur deutsche Bundesanleihen laufen gegen diesen Trend und sind als sicherer Hafen gefragt.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht die Europäische Zentralbank. Laut Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank, testen Investoren derzeit, ob die EZB ihr Notfallprogramm zum Anleiheankauf aktiviert – ein Instrument, mit dem die Notenbank gezielt Staatsanleihen kauft, um Renditen zu deckeln. Bislang hat die EZB darauf verzichtet, weil trotz gestiegener Renditen kein akuter Marktstress erkennbar sei. Tomasz Wieladek von T. Rowe Price sieht das als Fehlkalkulation: Der sprunghafte Anstieg der Risikoaufschläge habe die Lage grundlegend verändert.