Im ersten Halbjahr 2026 haben EU-Staaten 9,9 Millionen Tonnen verflüssigtes Erdgas (LNG) aus dem russischen Yamal-Projekt in der Arktis bezogen – 18 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das zeigen Daten des Analysehauses Kpler. Die Umweltorganisation Urgewald beziffert den Wert dieser Lieferungen auf rund sechs Milliarden Euro und stellt fest, dass Europa damit nahezu die gesamte Produktion der Anlage abnimmt.

Größter Abnehmer war Frankreich mit 3,6 Millionen Tonnen, gefolgt von Belgien mit 2,9 Millionen und Spanien mit 2,7 Millionen Tonnen. Eine zentrale Rolle spielt der belgische Hafen Zeebrügge: Dort wird ein Großteil des russischen LNG umgeschlagen und innerhalb Europas verteilt. Deutschland bezieht rund 40 Prozent seiner Gasimporte über Belgien und die Niederlande – und profitiert so indirekt von diesen Lieferungen.

Ab dem 1. Januar 2027 greift ein vollständiges EU-Importverbot für russisches LNG. Dieser Lieferweg fällt dann weg. Gleichzeitig sind die deutschen Gasspeicher derzeit nur zu 44 Prozent gefüllt – deutlich unter dem historischen Durchschnitt von rund 60 Prozent für diese Jahreszeit.