Russlands Staatsfinanzen geraten 2026 deutlich stärker unter Druck als erwartet. In den ersten sechs Monaten des Jahres gab die Regierung rund 320 Milliarden Dollar aus – das entspricht bereits 55 Prozent des gesamten Jahresbudgets. Das Defizit liegt bei 75 Milliarden Dollar und damit mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum mit 30 Milliarden Dollar.

Der Hauptgrund: Die Öleinnahmen brechen weg. Ukrainische Drohnen haben acht der zehn größten russischen Raffinerien mindestens einmal getroffen. Die tägliche Ölverarbeitung fiel Anfang Juni auf unter vier Millionen Barrel – der niedrigste Wert seit 21 Jahren. Gleichzeitig liegt der tatsächliche Marktpreis für russisches Ural-Rohöl laut Argus Media bei nur 41,66 Dollar je Barrel, während die Haushaltsplanung mit 59 Dollar kalkuliert. Öl- und Gaseinnahmen brachen im ersten Quartal 2026 um 45 Prozent ein.

Dazu kommt ein Leitzins, der Investitionen abwürgt. Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) erwartet für 2026 nur noch 0,6 Prozent Wirtschaftswachstum – nach über vier Prozent in den beiden Vorjahren. Die russische Regierung selbst senkte ihre eigene Prognose von 1,3 auf 0,4 Prozent.