Der europäische Gaspreis hat erstmals seit rund vier Jahren die Marke von 100 Euro pro Megawattstunde überschritten – ausgelöst vor allem durch die faktische Blockade der Straße von Hormus, einer Meerenge im Nahen Osten, durch die bislang ein Fünftel des weltweiten Flüssiggases (LNG) transportiert wurde.

Die Lieferungen durch die Straße von Hormus liegen derzeit bei nur einem Viertel des Vorkriegsniveaus. Gleichzeitig kaufen asiatische Länder wie China und Südkorea trotz hoher Preise weiter aggressiv ein, was LNG-Tanker von Europa nach Asien umlenkt.

Deutschland startet mit besonders niedrigen Gasspeicherständen in die Heizsaison: Am 25. Oktober lagen die Vorräte bei rund 152 Terawattstunden – etwa 62 Prozent Füllstand, gegenüber einem Dreijahresdurchschnitt von 228 Terawattstunden zum gleichen Zeitpunkt.

Die steigenden Gaspreise belasten auch den Staatshaushalt: Weil Gaskraftwerke den Strompreis mitbestimmen, könnten die staatlichen Subventionen für den Industriestrompreis 2027 auf bis zu 3,5 Milliarden Euro steigen – rund 1,1 Milliarden Euro mehr als für 2026 geplant.

Auch Lebensmittel werden teurer: Die Weltbank erwartet für 2026 einen Preisanstieg von rund zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr, für 2027 einen weiteren Anstieg um sieben Prozent – bedingt durch unterbrochene Getreidelieferungen, Ernterisiken und hohe Düngerpreise.