Der Rohölpreis der Nordsee-Referenzsorte Brent hat erstmals seit Mai wieder die Marke von 110 US-Dollar je Barrel (159 Liter) überschritten. Ausgelöst wurde der Preissprung unter anderem durch einen Gesetzentwurf von US-Abgeordneten, der verhindern soll, dass mehr russischer Diesel auf die Weltmärkte gelangt. Weniger russisches Angebot würde die Nachfrage nach Rohöl erhöhen, weil Raffinerien andernorts ihre Produktion ausweiten müssten.

Gleichzeitig bleibt die Lage im Nahen Osten angespannt – ein weiterer Treiber der Preise. Denn Öl wird global gehandelt: Fallen Lieferungen aus einer Region aus, steigen die Preise weltweit, auch in großen Förderländern. Die USA pumpen täglich fast 14 Millionen Barrel – mehr als Saudi-Arabien und der Irak zusammen. Trotzdem sind die Benzinpreise dort binnen eines Jahres um rund 41 Prozent gestiegen, Diesel sogar um etwa 71 Prozent.

Kurzfristig kann die US-Industrie das Angebot nicht erhöhen. Neue Bohrungen brauchen laut dem Energieberater Wood Mackenzie neun bis zwölf Monate, bis sie Wirkung zeigen.