Zum Stichtag 1. Juli 2026 liefen in Deutschland 170.667 offene Haftbefehle gegen 148.311 Personen – eine Person kann mehrere Befehle auf sich vereinen. Trotzdem können viele dieser Gesuchten weiterhin staatliche Grundsicherung beziehen, weil Jobcenter und Strafverfolgungsbehörden ihre Daten nicht automatisch abgleichen.
Wie viele Betroffene tatsächlich Leistungen erhalten, weiß niemand. Eine Statistik dazu existiert nicht. Damit bleibt auch offen, wie viel Geld eine Reform einsparen würde. Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) wirft Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) vor, einen für Juli angekündigten Aktionsplan nie vorgelegt zu haben. Bas bestreitet das nicht öffentlich.
Die Zahlen zeigen außerdem: Nicht alle Gesuchten sind Gewalttäter. Auf Gewaltkriminalität entfallen 15.205 Haftbefehle, auf Sexualdelikte 3.163, auf Mord 1.368. Viele weitere betreffen unbezahlte Geldstrafen oder Personen, die sich gar nicht mehr in Deutschland aufhalten – darunter Abgeschobene, die nur für den Fall einer Wiedereinreise im System bleiben.
170.667 Haftbefehle offen – doch niemand weiß, wer Grundsicherung kassiert
Warum das wichtig ist
Wie viel Steuergeld tatsächlich an Gesuchte fließt, lässt sich derzeit nicht beziffern – konkrete Einsparungen durch eine Reform sind damit nicht belegt.