Rund 60 Prozent der Wienerinnen und Wiener leben in kommunalen oder geförderten Wohnungen – ein Anteil, von dem Berlin weit entfernt ist. Die Stadt Wien besitzt etwa 220.000 eigene Wohnungen, dazu kommen rund 200.000 Einheiten gemeinnütziger Bauträger. Dieses Modell zieht jährlich rund 300 Delegationen aus aller Welt an, darunter aus den USA, Kanada und Deutschland.

Berlin ging historisch einen anderen Weg. Die Stadt besaß einst einen deutschlandweit ungewöhnlich hohen Anteil an genossenschaftlichem und staatlichem Wohnraum – verkaufte diesen Bestand jedoch im Zuge des Berliner Bankenskandals Anfang der 2000er-Jahre. Damals schien das vertretbar: Berlin verlor Einwohner, Wohnungen standen leer. Ab etwa 2010 änderte sich das schlagartig, die Nachfrage stieg, die Preise zogen an.

Heute reisen Berliner Politiker nach Wien, um Antworten zu finden. Wiens Modell ist historisch gewachsen – die Stadt begann vor mehr als 100 Jahren mit dem kommunalen Wohnungsbau im großen Maßstab. Selbst dort sind die Mieten ungleich verteilt: Im ersten Bezirk kosten Wohnungen im Schnitt 28,48 Euro pro Quadratmeter, in Ottakring nur 18,84 Euro.