Eine Zwangsräumung hat Spanien aufgewühlt: Maricarmen Abascal, 87 Jahre alt, wurde aus ihrer Madrider Wohnung geholt, nachdem ein Investor die Miete um 275 Prozent erhöht hatte. Die Rentnerin hatte 70 Jahre dort gelebt. Ihr Schicksal löste landesweite Proteste aus – und wurde zum Symbol einer eskalierenden Wohnungskrise.

Als Reaktion verabschiedete die Linkskoalition von Regierungschef Pedro Sánchez ein Dekret, das Zwangsräumungen bei sozialen Notlagen sofort verbietet und befristete Mietverträge erschwert. Das Paket richtet sich außerdem gegen Immobilienspekulation und Wohnungsknappheit durch Tourismus. Ob das Parlament dem Vorhaben zustimmt, ist noch offen – Sánchez regiert mit Minderheit. Für Maricarmen selbst gibt es eine Einigung: Ihre Anwältin bestätigte, dass sie in ihre Wohnung zurückkehren kann und die massive Mieterhöhung vom Tisch ist.

Ökonom Konstantin Kholodilin betont, die Wohnungsnot sei kein spanisches Problem allein. Auch Deutschland sei betroffen. Die Ursache sieht er im Grundprinzip: Die Nachfrage steigt deutlich schneller als das Angebot. Einfache Lösungen gebe es für Großstädte kaum.