Der Rohölpreis ist seit seinem Höchststand Ende April um rund 43 Prozent eingebrochen. Die Nordseesorte Brent kostet aktuell 72 Dollar je Barrel – nach einem Spitzenwert von 120 Dollar. An deutschen Tankstellen spüren Autofahrer davon bislang kaum etwas.

Der Hauptgrund für den Preisverfall ist ein wachsendes Überangebot. Die Straße von Hormus – eine strategisch wichtige Meerenge im Persischen Golf – ist nach dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran schrittweise wieder befahrbar. Dadurch gelangen mehr als 60 Millionen Barrel zusätzlich auf den Markt. Gleichzeitig kauft China rund fünf Millionen Barrel pro Tag weniger als vor dem Krieg. Rohstoffanalystin Natasha Kaneva von JPMorgan beschreibt das Problem knapp: Das zurückgehaltene Öl strömt nun in einen Markt, der längst gelernt hat, ohne es auszukommen.

Trotzdem dreht der Förderstaatenverbund Opec+ weiter auf: Ab August erhöht die Gruppe – zu der neben den Opec-Ländern auch Russland gehört – die Fördermenge um weitere 188.000 Barrel pro Tag. Das Angebot wächst also weiter, während die Nachfrage schwächelt.