Mit Kevin Warsh hat die US-Notenbank Federal Reserve einen neuen Chef – doch die Ruhe ist trügerisch. Sowohl in den USA als auch in Europa geraten Zentralbanken zunehmend unter Druck: durch steigende Staatsverschuldung und politische Einflussnahme.

In den USA wächst die Skepsis gegenüber der Fed. Steigende Schuldenquoten schwächen das Vertrauen in die Haushaltspolitik – und damit auch in die Handlungsfähigkeit der Notenbank. Ähnliches droht in Europa: Auch dort steigen die Schuldenquoten, was den politischen Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhen könnte. Die EZB ist die Währungsbehörde des Euroraums und soll unabhängig von Regierungen agieren.

Notenbankunabhängigkeit gilt heute als Standard – ist es aber nicht immer gewesen. Viele Länder verankerten sie erst in den 1990er-Jahren gesetzlich, weil politisch gesteuerte Geldpolitik erfahrungsgemäß zu dauerhaft höherer Inflation führt. Genau dieses Prinzip steht nun auf beiden Seiten des Atlantiks zur Debatte.