Der deutsche Arbeitsmarkt verliert an Substanz. Das zeigt das aktuelle IAB-Arbeitsmarktbarometer – ein Frühindikator, bei dem alle deutschen Arbeitsagenturen ihre Erwartungen für die nächsten drei Monate melden. Erstmals ist die Beschäftigungskomponente unter den Schwellenwert von 100 gefallen, was auf eine ungünstige Entwicklung hindeutet.
Forscher Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nennt mehrere Ursachen gleichzeitig: anhaltende Wirtschaftsschwäche, geopolitische Konflikte und rückläufige Migration – dazu kommt ein strukturelles Problem. Die Boomer-Generation, also die geburtenstarken Jahrgänge, geht in Rente. Zu wenige Jüngere rücken nach. Freie Stellen bleiben deshalb unbesetzt, die Gesamtbeschäftigung sinkt.
Gleichzeitig nähert sich die Arbeitslosigkeitskomponente des Barometers der Beschäftigungskomponente an – beide liegen inzwischen fast gleichauf. Weber fasst es so zusammen: Die Beschäftigung sinkt, während der Anstieg der Arbeitslosigkeit sich verlangsamt. Der demografische Wandel ist damit endgültig auf dem Arbeitsmarkt angekommen.
IAB-Barometer: Deutschlands Beschäftigung schrumpft erstmals
Warum das wichtig ist
Wer einen Job sucht oder wechseln will, trifft auf einen Markt mit weniger offenen Stellen – gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel in vielen Branchen bestehen.