Ablenkung am Steuer ist laut einer neuen Allianz-Studie für mindestens 30 Prozent aller Autounfälle verantwortlich – zwanzigmal mehr als die offizielle Polizeistatistik mit 1,5 Prozent ausweist. Das erklärte Christian Sahr, Leiter des Allianz Zentrums für Technik (AZT), anlässlich des jährlichen „Autotags" des Konzerns in Ismaning.

Die Forscher kombinierten Computersimulationen mit der Auswertung von rund 70 internationalen Studien. Dabei modellierten sie verschiedene Fahrertypen in gefährlichen Situationen. Das Ergebnis ist deutlich: Bremst das vorausfahrende Auto abrupt, kommt es bei abgelenkten Fahrern in 54,3 Prozent der Fälle zum Auffahrunfall – bei aufmerksamen Fahrern sind es nur 18,2 Prozent. Läuft ein Kind auf die Straße, steigt das Unfallrisiko durch Ablenkung von 3,9 auf 11,2 Prozent. In manchen Situationen übertrifft Ablenkung sogar Alkohol am Steuer als Risikofaktor.

Als wachsende Ursache nennt Sahr das Fahrzeugdesign selbst: Immer mehr Hersteller ersetzen physische Bedienknöpfe durch Touchscreens, die während der Fahrt schwerer zu bedienen sind und die Aufmerksamkeit länger binden.