Staatsanleihen sind zurück im Spiel. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren aktuell bei knapp 3,6 Prozent – noch 2019 lag die Rendite bei minus 0,7 Prozent, dem historischen Tiefststand. US-Staatsanleihen mit gleicher Laufzeit stiegen zeitweise sogar auf 5,29 Prozent, so hoch wie zuletzt 2007.

Das verändert die Logik für Anleger grundlegend. Wer früher für nennenswerte Erträge auf riskantere Hochzins- oder Schwellenländeranleihen ausweichen musste, findet heute schon bei Papieren hoher Bonität – also Anleihen von Schuldnern mit geringem Ausfallrisiko – attraktive Renditen. Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, betont dabei: Anleihen sind durch die höheren laufenden Erträge nicht risikofrei geworden. Zinsentwicklung und Kreditrisiken bleiben entscheidend.

Gleichzeitig geraten Aktien unter Druck. Höhere Zinsen machen Anleihen attraktiver und senken rechnerisch den heutigen Wert künftiger Unternehmensgewinne – besonders bei Wachstumswerten aus Technologie oder Biotech, die erst in Jahren profitabel werden sollen.