Ein Investor kauft eine Wohnung in Madrid, erhöht die Miete um 275 Prozent auf 2.650 Euro monatlich – und lässt die 87-jährige Mieterin Maricarmen Abascal zwangsräumen. Die Bilder, wie sie am Mittwoch auf einer Trage aus ihrer Wohnung getragen wird, lösten in Spanien eine Protestwelle aus. Abascal hatte 70 Jahre lang dort gelebt, seit 1956.

Am Samstag gingen in Madrid tausende Menschen auf die Straße. Das Innenministerium zählte rund 25.000 Teilnehmer, der veranstaltende Mieterverband „Sindicato de Inquilinas" sprach von 300.000. Auf Bannern stand: „Du könntest die nächste Maricarmen sein." Abascal selbst rief die Spanier kurz vor der Demo per Videobotschaft zum Protest auf. Seither liegt sie im Krankenhaus.

Regierungschef Pedro Sánchez gerät dadurch unter Druck. Sein Kabinett will kommende Woche über den sogenannten „Maricarmen-Erlass" beraten – ein Maßnahmenpaket mit automatischer Mietvertragsverlängerung und strengeren Regeln gegen Zwangsräumungen. Als Mitverursacher der Wohnungsnot gelten Immobilienfonds und Kurzzeitvermietungen über Plattformen wie Airbnb.