Die Bundesregierung plant, die Pflicht zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auf den ersten Krankheitstag vorzuziehen und die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Bundeskanzler Friedrich Merz begründet das mit einem zu hohen Krankenstand. Doch die Krankenkassen widersprechen dieser Logik.
Laut einer Untersuchung des BKK-Dachverbandes sind nicht kurze Erkältungen der eigentliche Kostentreiber, sondern langwierige Erkrankungen. Das Krankengeld – das erst ab dem 43. Krankheitstag greift und damit vor allem Langzeitkranke absichert – kostete die gesetzliche Krankenversicherung zuletzt 21,6 Milliarden Euro. Mehr als ein Viertel aller Fehltage entfiel darauf. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Krankengeldtage um 24,4 Prozent.
Hauptursachen sind psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Leiden. Obwohl psychische Erkrankungen nur 5,4 Prozent aller Krankschreibungen ausmachen, dauern sie im Schnitt mehr als fünf Wochen. BKK-Vorständin Anne-Kathrin Klemm fordert deshalb eine ernsthafte Debatte über Prävention statt über Bescheinigungspflichten.
Krankenkassen widersprechen Merz: Lange Ausfälle treiben Kosten hoch
Warum das wichtig ist
Wer länger als sechs Wochen krank ist, bezieht Krankengeld – genau diese Fälle kosten die Kassen am meisten und könnten künftig stärker im Fokus von Reformen stehen.