Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen ist auf 3,248 Prozent gestiegen – den höchsten Wert seit Mai 2011. Damit reiht sich Deutschland in einen globalen Trend ein: Auch in den USA, Japan und Frankreich erreichen Staatsanleihen-Renditen Höchststände, die teils seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen wurden.

Unmittelbarer Auslöser ist die Sorge vor einer Eskalation im Nahen Osten. Anleger befürchten, dass ein längerer Konflikt die Energiepreise und damit die Inflation hochhält. Das könnte die Europäische Zentralbank zu weiteren Zinserhöhungen zwingen – über den bereits erwarteten Schritt hinaus. Gleichzeitig drücken zwei strukturelle Faktoren auf die Märkte: die weltweit wachsenden Staatsschulden und der steigende Finanzierungsbedarf großer US-Technologiekonzerne, die mit eigenen Anleiheemissionen um Investorengelder konkurrieren.

Kjersti Haugland, Chefökonomin der Investmentbank DNB Carnegie, sieht darin den Beginn einer neuen Ära: Die lange Phase niedriger Zinsen nach der Finanzkrise 2008 gehe zu Ende – in einer Zeit, in der viele Staaten bereits hoch verschuldet sind.