Kurz vor einer entscheidenden Kabinettssitzung haben 46 führende Ökonominnen und Ökonomen die Bundesregierung gewarnt, das Reformpaket der Rentenkommission aufzuschnüren. Ihr Appell ist eindeutig: „Wer einzelne Bausteine streicht, muss einen wirksamen Ersatz nennen. Andernfalls fällt das gesamte Konzept zusammen."
Zu den Unterzeichnern gehören Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats, Constanze Janda als Co-Vorsitzende der Rentenkommission sowie die Ökonomen Clemens Fuest, Martin Werding, Jörg Rocholl und Moritz Schularick. Die Kommission hatte insgesamt 33 Empfehlungen vorgelegt – darunter Änderungen beim Renteneintritt, ein höherer Nachhaltigkeitsfaktor, die Ausweitung des Versichertenkreises und eine kapitalgedeckte Rentenkomponente. Diese Bausteine greifen laut den Wissenschaftlern nur gemeinsam.
Besonders umstritten ist die abschlagsfreie Rente mit 63, die Menschen mit mindestens 45 Versicherungsjahren einen vorzeitigen Renteneintritt ohne finanzielle Abzüge ermöglicht. Die Ökonomen kritisieren sie als teure Sonderleistung: Daten der Rentenversicherung zeigen, dass häufiger Besserverdienende, Gesündere und Männer davon profitieren. Stattdessen sollen Hilfen gezielter auf gesundheitlich belastete Beschäftigte ausgerichtet werden.
46 Ökonomen fordern vollständige Umsetzung der Rentenreform
Warum das wichtig ist
Wer plant, mit 63 abschlagsfrei in Rente zu gehen, könnte diese Möglichkeit verlieren – die Reform zielt darauf ab, Frühverrentung künftig stärker an gesundheitliche Einschränkungen zu knüpfen.