Der Wirtschaftswissenschaftler Robert Rühl von der Universität Bayreuth verlangt einen tiefgreifenden Umbau des deutschen Rentensystems – und nimmt dabei ausdrücklich auch die heutigen Rentner in die Pflicht. „Wir müssen auch den Babyboomern wehtun, wenn wir die Rente generationengerecht gestalten wollen", sagt er.
Sein weitreichendster Vorschlag: Die gesetzliche Rente soll künftig nur noch an die Inflation gekoppelt werden, nicht mehr an die Lohnentwicklung. Konkret heißt das, Rentner wären vor Kaufkraftverlusten geschützt, würden aber nicht länger automatisch von steigenden Löhnen profitieren. Zusätzlich will Rühl die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren abschaffen – allein das spare zehn Milliarden Euro pro Jahr. Auch die geplante Mütterrente III lehnt er als unzielgenau ab, weil sie Mütter pauschal begünstige, unabhängig von ihrer finanziellen Lage. Darüber hinaus sollen niedrige Einkommen bei der Rentenberechnung stärker gewichtet werden, um die Kluft zwischen kleinen und großen Renten zu verringern.
Rühls Vorschläge gehen damit deutlich über die Empfehlungen der Alterssicherungskommission der Bundesregierung hinaus, die die Lohnkopplung grundsätzlich beibehalten will.
Rentenökonom fordert Einschnitte für Boomer – 10 Mrd. Euro Ersparnis möglich
Warum das wichtig ist
Wer heute noch arbeitet, würde bei einer reinen Inflationskopplung im Alter weniger von Lohnzuwächsen profitieren – wer bereits Rente bezieht, verlöre bei steigenden Löhnen schrittweise Kaufkraft im Vergleich zu Erwerbstätigen.