Die Europäische Zentralbank (EZB) steht erneut vor einer heiklen Situation am Anleihemarkt. Die Renditen für Staatsanleihen steigen wieder an – ein Phänomen, das bereits bei der letzten Zinserhöhungsphase für Unruhe gesorgt hatte. Damals reagierte die EZB mit Notfallsitzungen, da sie Turbulenzen am Markt befürchtete.

Aktuell verschärfen mehrere Faktoren die Lage: Die Inflation liegt bei drei Prozent und damit deutlich über dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Gleichzeitig belastet der anhaltende Konflikt im Nahen Osten die wirtschaftliche Unsicherheit. EZB-Ratsmitglied Pierre Wunsch signalisiert bereits eine Präferenz für höhere Zinsen und hält eine Zinserhöhung im Juni für wahrscheinlich, sollte der Krieg andauern.

Die steigenden Anleiherenditen stellen einen direkten Test für die Unabhängigkeit der Notenbank dar. Die EZB muss entscheiden, ob sie ihre Geldpolitik primär an der Inflationsbekämpfung ausrichtet oder Rücksicht auf mögliche Marktturbulenzen nimmt. Intern wird bereits über entsprechende Pläne beraten.