Die Europäische Zentralbank hat eine neue Plattform namens „Pontes" – lateinisch für „Brücken" – in Betrieb genommen. Sie erlaubt Finanzinstituten, digitale Wertpapiere direkt mit Zentralbankgeld abzurechnen. Gleichzeitig will die EZB einen Teil ihrer eigenen Mittel in solche tokenisierten Papiere investieren, um die Technologie im Echtbetrieb zu testen.
Hinter dem Begriff Tokenisierung steckt folgendes Prinzip: Vermögenswerte wie Anleihen werden als digitale Einheiten auf einer Blockchain erfasst – einer dezentralen Datenbank, die bislang vor allem als Grundlage von Kryptowährungen wie Bitcoin bekannt ist. Bisher läuft ein Wertpapierkauf über mehrere getrennte Stationen: Börse, Clearingstelle, Verwahrstelle. Tokenisierung bündelt all das in einem automatisierten Schritt und spart damit Zeit, Kosten und Risiken. „Pontes" schlägt die Brücke zwischen diesen modernen Netzwerken und dem klassischen, als risikofrei geltenden Zentralbankgeld.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärte, das Eurosystem wolle den europäischen Finanzmarkt im digitalen Zeitalter integrierter und widerstandsfähiger machen. Der Start erfolgt zunächst mit Grundfunktionen; bis 2028 soll das System schrittweise wachsen.
EZB startet Plattform „Pontes" für tokenisierten Wertpapierhandel
Warum das wichtig ist
Für Banken und Großunternehmen sinken durch die neue Plattform Abwicklungskosten und -zeiten bei grenzüberschreitenden Transaktionen im Euroraum – Privatverbraucher sind vorerst nicht betroffen, da „Pontes" ausschließlich das Firmenkundengeschäft adressiert.